Kontrolle – ein anderer Ausdruck für Angst?

Wie oft habe ich in meinen Gesprächen folgenden Satz gehört: „Ich bin ein Kontrollfreak und gebe die Kontrolle über mich nicht ab!“ Meistens habe ich diesen Satz im Zusammenhang mit dem Thema Hypnose gehört. Da sitzt jemand vor mir und eröffnet mir, dass Hypnose oder welche Form von Vertrauen auch immer, gar nicht geht weil man seine angebliche „Selbstkontrolle“ nicht aufgeben will. Das was dann innerhalb von 20 bis 30 Minuten aber passiert, pulverisiert diesen Satz zur Gänze. Da sitzen die angeblichen Könige der Selbstkontrolle vor mir und fallen komplett auseinander. Da sitzt eigentlich nur noch ein Häufchen Elend, das zwanghaft versucht, den Schein zu wahren und sich windet, ja selbst verbiegt, obwohl er gerade das ja vermeiden wollte. Da gibt es keinen Unterschied zwischen Frauen, Männern und sogar Kindern. Natürlich ist die eigene Kontrolle und das menschliche Vermögen dazu absolut notwendig. Sich selbst im Griff zu haben, sich beherrschen zu können, seine Impulse steuern zu können, sprich seinen Affekt beherrschen zu können, ist oft wichtig wenn nicht manchmal sogar lebenswichtig. Nur sei die Frage gestattet, warum will der gleiche Mensch, dann ein vertrauliches Gespräch führen? Die angebliche Selbstkontrolle ist also nichts weiter als eine Form der Angst. Die Angst davor, sich zu zeigen, wie und wer man wirklich ist. Und wenn man genauer hinsieht, dann ist diese so vor sich her getragene und zur Schau gestellte Selbstkontrolle nichts weiter, als eine Form von Struktur, eine gnadenlose Struktur, die den Tag und das Leben einteilt. Sobald jedoch etwas daherkommt, was diese Struktur stört oder gar aushebelt, fällt die sogenannte und falsch verstandene Selbstkontrolle wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Bestens beobachten kann man das in großen Konzernen mit vielen tausend Mitarbeitern. Die teils starren Strukturen und Hierarchien, dulden keine Abweichler oder auch nur Menschen, die kurzzeitig aus diesem selbst gewählten Gefängnis ausbrechen. Dabei ist gerade das notwendig, um oftmals Lösungen für alltäglich auftretende Probleme zu finden. Ebenfalls neigen manische und depressive Menschen dazu, sich eine starre Struktur zu verpassen um eventuelle sichtbare und spürbare Krankheitssignale für die Umwelt zu verbergen. Strukturen und strukturelles Vorgehen sind andererseits aber auch sehr wichtig, sonst würde viel nicht funktionieren. Es ist also sicher nicht leicht, hier eine Linie zu ziehen. Wenn jedoch die starre und gnadenlose Struktur dazu dient, angebliche Selbstkontrolle zu sichern, dann wird sie früher oder später immer versagen und sie wird zu einer großen, nicht mehr steuerbaren Angst werden. Kontrollieren Sie sich ruhig lieber Leser aber bitte maßvoll. Gestatten Sie sich hin und wieder Urlaub von den engeren Strukturen der Selbstkontrolle. Es bereichert das Leben und verhindert einen Teil der Angst.

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