Einsamkeit – allein sein, Fluch oder Lebenselexier

Können wir das eigentlich unterscheiden und wenn ja wie? Ist das nur eine philosophische Frage oder betrifft es den Menschen und seine tiefsten Empfindungen? Es trifft sicher beides zu und die Frage dahinter ist wahrscheinlich immer, ob wir das selbst gewählt haben oder ob es uns bewusst von außen aufgebürdet wurde. Und man muss sicher auch unterscheiden. Einsam sein ist nicht dasselbe wie allein sein und es gibt auch noch den physisch und den mental empfundenen Zustand. Wer schon einmal allein war, hat in gewisser Weise sicher auch mal Gefallen daran gefunden. Wer sich einsam fühlt, hat es da schwerer. Das Gefühl, niemand zu haben, der für einen da ist oder sich in gewisser Weise auch ein wenig kümmert, kann auch der Grund für eine psychische Erkrankung werden. Nämlich immer dann, wenn dieses „sich einsam fühlen“, an den Grundfesten unserer Seele hängt. Wenn sich unsere Seele einsam fühlt und sich womöglich auch noch verbarrikadiert, also den Weg nach außen nicht mehr sucht, zu Freunden, Bekannten und Verwandten oder eben einfach zu den Menschen, dann kann das durchaus krank machen. Allein sein, mit mir und meinen Gedanken, kann hingegen durchaus spannend und abwechslungsreich sein. Reden sie einmal mit sich selbst, nehmen sie es auf und sagen zwei Sätze zu sich. Satz Nummer eins: „Ich bin allein!“ Satz Nummer zwei: „Ich bin einsam!“ Beim Anhören beider Sätze wird ihnen etwas auffallen, selbst dann, wenn sie weder allein noch einsam sind. Satz Nummer zwei geht tiefer und berührt sie mehr, er macht etwas mit ihnen. Allein können sie immer sein, wenn sie allein sein wollen und sie können nicht allein sein, wenn sie das nicht wollen. Einsamkeit ist etwas, das wir mit Kälte und Traurigkeit verbinden. Ein hoffnungsloser Zustand, der einem immer weiter abdriften lässt, vor allem dann, wenn dieses Gefühl der Einsamkeit durch äußere Bedingungen entsteht, die wir nicht beeinflussen können. Beispielsweise der Tod eines geliebten Menschen, eine Trennung oder ähnliche Dinge. Das Gefühl von Einsamkeit kann zur Sucht ausarten. Irgendwann kann man nicht mehr zurück. Erst versucht man noch laut mit sich zu reden, doch auch das verstummt irgendwann. Dann ist es nur noch ein Flüstern und ganz zum Schluss nur noch ein stiller gedanklicher Austausch. Die Einsamkeit in der Gesellschaft, in unserem sozialen Umfeld kann absolut tödlich sein. Zuerst sterben die „Adern“ in die Gesellschaft ab und dann die eigenen Gedanken, bis sie so leise werden, dass auch wir selbst sie nicht mehr hören können. In meinem Leben habe ich dem Tod schon oft über die Schulter gesehen, habe ihn sozusagen hautnah erlebt und mir die Frage gestellt: „Sind wir im Sterben alleine?“ Ja das sind wir, auch wenn wir das im „Kreise unserer Lieben“ tun, wie es so schön heißt. Keiner von den „Lieben“ geht nämlich mit. Sind wir in den Augenblicken danach einsam? Ich weiß, es ist eine ketzerische Frage, die im wahrsten Sinne, den Glauben an Gott ausschließt. Denn wer an Gott glaubt, wähnt sich nie einsam. Wer das nicht tut, ist in jedem Fall einsam und nicht mehr da. Fazit: Es ist durchaus möglich, bewusst einsam oder allein zu sein, ohne krank zu werden, man sollte aber wenigstens die Tür für den Rückweg offen halten – bis zum Schluss

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