Angst – die große Vielfalt und der noch größere Stress aber der stärkste Teil des Ichs

Alle wissen, dass es sie gibt, die Angst. Für viele ist sie einfach nur eine Art persona non grata. Man will möglichst wenig mit ihr zu tun haben und trotzdem ist sie irgendwie Bestandteil eines jeden Augenblicks in unserem Leben. Einerseits geht eine unheimliche Faszination von ihr aus und andererseits kann sie alles lähmen, zu dem wir fähig sind. Sie kann das Leben zur Hölle machen. Sie ist in der Lage, aus einem Menschen ein totales Wrack werden zu lassen. Das liegt vor allem an der überfallartigen Verfügbarkeit von Angst die wiederum im sogenannten Mandelkern (Amygdala)abgespeichert ist. Dieser tritt dann auch noch paarweise in unserem Gehirn auf. Die Amygdala hält sämtliche Rekorde in punkto Schnelligkeit. Sie sendet ihre Daten sehr viel schneller als der Rest des Gehirns. Dabei wirkt sie wie ein Flaschenhals, durch den alles in Bruchteilen von Sekunden durch muss. Nicht nur, dass es sich hier um eine faszinierende Leistung handelt, es ist auch eine Schutzfunktion. Angst macht uns vorsichtig, lässt uns Dinge vermeiden, die für uns nicht gut sind. Nun hat aber die Angst auch ein fast schon nicht zu übertreffendes Selbstbewusstsein. Und eben dieses gilt es auf ein gesundes Maß zurecht zu stutzen. Die Vorsicht und die Warnhinweise sollen ja erhalten bleiben. Angst ist nämlich fürsorglich. Sie ist für uns da, wenn wir sie brauchen. Also bemühen wir uns mal, das Positive an der Angst heraus zu stellen. Angst ist die stärkste Kraft, die wir haben, Sie ist formbar und wandelbar, man kann sie umdrehen oder gar auf den Kopf stellen. Man kann ihr eine Gestalt geben, die für einen selbst nicht unheimlich ist, man kann sie zum Freund gewinnen. Klingt ja sehr leicht werden da einige sagen aber genauso ist es auch. Angst ist Ermessenssache und jeder empfindet sie anders. Angst kann man erklären und genau das ist das Arbeitsprinzip. Dazu muss man wissen woher die Angst kommt und fast alle Menschen wissen dies. Den wenigen Menschen, die es nicht wissen kann aber auch geholfen werden. Wenn man also den Ursprung kennt und seine Parameter verändert, dann kann man Angst beherrschbar machen ohne gleich unvorsichtig oder leichtsinnig zu werden. Der wirklich schlechteste Weg ist, die Angst mit Rauschmitteln oder mit Medikamenten runter zu drücken. Das bewirkt lediglich, dass es beim nächsten Mal oder bei einem Engpass in der Verfügbarkeit der Mittel noch schlimmer wird. Angst ist die größte Kraft, die in uns wohnt, man muss dieses Potential nur nützen und diese Kraft wie einen Muskel aufbauen. Eine Lehrerin, die unter schweren Angstzuständen litt, hat mich mal gefragt, was denn wäre, wenn ich morgen nicht mehr leben würde? Erstens könnte ich ja nichts daran ändern wenn es wirklich so wäre und vermutlich würde ich es nicht einmal mehr mitbekommen, habe ich ihr geantwortet. Außerdem halte ich es mit dem genialen Schriftsteller Umberto Ecco, der auf dieselbe Frage geantwortet hat: „Wenn wir tot sind, sind wir nicht mehr da!“ Sie sah mich an und meinte: „So einfach ist das?“ Ja, so einfach ist das, egal ob wir religiös sind oder gar gläubig, das hat damit nämlich nichts zu tun. Seit diesem Gespräch hat sie eine Angst weniger wie sie mir erzählt hat. Also machen wir aus der Angst eine persona grata, einen willkommenen Menschen.

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