Angst – Die Angst vor der Selbstwerdung

Die Angst vor der Selbstwerdung ist ebenfalls eine der Grundängste des Menschen. Die Frage, die sich daran anschließt ist: „Wann sind wir eigentlich wir selbst?“ Diese Frage ist gar nicht so unberechtigt da wir in den meisten Fällen und auch im absoluten Normalfall immer noch zwei bis drei Persönlichkeiten in uns tragen. Da kenne ich jetzt einige, die mir vehement widersprechen würden. Dabei handelt es sich meist um die Menschen, denen man nichts erklären kann, weil sie das gar nicht wollen. Es gibt sogar ein Sprichwort, das behauptet, dass wir nie ein und dieselbe Person sind, dass wir uns jeden Tag und sogar jede Stunde verändern. Ist da was dran? Vermutlich schon aber damit wird es ungleich schwerer, man selbst zu werden oder zu sein. Der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung hat das so ausgedrückt, „Individuation bedeutet: zum Einzelwesen werden, und, insofern wir unter Individualität unsere innerste, letzte und unvergleichbare Einzigartigkeit verstehen, zum eigenen Selbst werden. Man könnte „Individuation“ darum auch als „Verselbstung“ oder als „Selbstverwirklichung“ übersetzen. Allerdings war das im Sinne des großen Psychoanalytikers eine lebenslange Aufgabe, ein Prozess, der im Tod gipfelte. Für die meisten Menschen ist das nicht wirklich erstrebenswert, sie wollen ein näheres Ziel haben und von dieser Selbstwerdung etwas haben. Das ist nun ganz und gar nicht kapitalistisch oder gierig, sondern ein wirklich guter Gedanke, ein Wunsch, der einen selbst in ein besseres Dasein führt. Um es aber mit Richard David Precht zu formulieren: „Wer bin ich und wenn ja wie viele?“ Das heraus zu finden ist für den jeweiligen Menschen selbst gar nicht so einfach. Also wie stell ich das an mit der Selbstwerdung? Am besten in kleinen Schritten und indem ich mir einige Fragen stelle, wie zum Beispiel: Was sind mir Menschen wert egal welcher Hautfarbe und egal welchen sozialen Status sie haben? Wie ist mein eigenes Rechtsempfinden, ist es immer neutral und mit meinem eigenen Standpunkt vereinbar? Bin ich wirklich fähig, jemanden zu lieben und was ist Liebe für mich? Zeige ich mich, wie und wer ich wirklich bin? Will ich mehr sein, als ich gerade bin? Welche Achtung habe ich vor dem Leben? Wie möchte ich gerne sein? Als wen oder was soll mich die Welt in Erinnerung behalten? Anhand dieser Fragen kann man sehr deutlich sehen, dass das vielleicht gar nicht so leicht ist mit der Selbstwerdung. Und dann kommt ja noch dazu, ob ich mich auch wohlfühle in meiner Haut. Fühle ich mich zu dick oder zu dünn? Will ich vielleicht aussehen oder ähnlich sein wie ein bekannter Schauspieler? Das und vieles mehr, bestimmt, wer wir selbst sind. Der sehr bekannte Schauspieler Anthony Hopkins, der aus Filmen wie „Das Schweigen der Lämmer“ und vielen anderen Psychothrillern bekannt ist, bezeichnete sich selbst einmal als „langweilig und völlig ruhig“, er mag andere Schauspieler aber er habe auch keine Freunde unter ihnen. Am Ende des Tages geht er lieber nach Hause zu seiner Frau. Sie ist sein bester Freund. Er selbst ist also wirklich er selbst, so scheint es und hat auch keine Angst davor!

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